Was ist Ki?

Lebensenergie, Urkraft, Vitalität, kosmischer Atem, Prana, Chi…

…über Ki wird und wurde seit je her in mannigfaltigster Weise sinniert, erzählt, geschrieben und sogar gedichtet. Doch was genau steckt hinter diesem Phänomen, das der Motor aller Bewegung im Universum sein soll und welches Wissenschaftler, Ärzte, Heiler, Kampfsportler und Bewegungskünstler gleichermaßen fasziniert und herausfordert?

Die traditionelle chinesische Medizin (TCM) zum Beispiel, beschreibt feinstoffliche Leitbahnen (sogenannte Meridiane) im menschlichen Körper, in denen das Ki (chinesisch Chi) gemäß verschiedener Zyklen und Rhythmen durch den Köper fließt und die gesamten Organsysteme versorgt. Das Meridiansystem wird von der Schulmedizin immer noch stark vernachlässigt, da es kein ausreichend verifiziertes anatomisches Korrelat besitzt, doch auch hier häufen sich weltweit Studien, die sich mit den sehr feinen anatomischen Strukturen des menschlichen Körpers und den daran gemessenen elektrischen Strömen befassen.

Schenkt man der TCM Glauben, so sind die anatomischen Strukturen, durch die Ki fließt in jeder Lebensform (neben dem Menschen also auch in Tieren, Pflanzen, Mikroorganismen, Zellen, usw.) auf natürliche Weise angelegt. Ki ist also immer vorhanden, lediglich die Qualität seines Flusses in den dafür zuständigen Bahnen ist unterschiedlich: vom Zäh- bis zum Überfluss, vom Stau bis zum Mangel. Wenn der Ki-Fluss im Organismus vollends versiegt, bedeutet das Tod. Zellen die nicht von Ki durchflossen werden, sterben ab. Wo Ki hingegen fließt, da ist Lebendigkeit, Kraft und Gesundheit.

Analog zum Mikrokosmos Mensch, ist Ki nach alt-chinesischer Weltanschauung aber genauso im Makrokosmos wirksam, beispielsweise, wenn es den unterschiedlichen Jahreszeiten entsprechend auch unterschiedlich stark auf Mensch und Natur einwirkt. Der Rückzug im Winter und das erneute Hervorbrechen im Frühling sind also nicht einfach nur der Außentemperatur geschuldet – hier wirkt Ki in ganz unterschiedlicher Dynamik auf uns ein, es beeinflusst und lenkt. Man könnte auch sagen, Ki ist die Motivation hinter aller Bewegung.

Es geht nicht um das quantitative Vorhandensein von Ki, sondern um die Möglichkeit seines Fließens

Ki ist immateriell. Wenn überhaupt, dann lässt es sich nur anhand seines Fließens oder Strömens erkennen, messen und nachweisen. Darüberhinaus lässt sich Ki aber auch als Strahlung darstellen. Laut einer 2006 erschienen Studie liegt, neben anderen Strahlungskomponenten, die messbare Nahinfrarotstrahlung von Ki zwischen 0.8 und 2.7 μm. In der Studie wurde außerdem gezeigt, dass sich Ki von geschulten Probanden durch gewisse Materialien hindurchsenden ließ, durch andere Materialien, wie Aluminium z.B. wiederum nicht.

Trotz dieser und anderer Studien*: man tut sich im empirisch-wissenschaftlichen Feld nach wie vor sehr schwer mit dem Thema. Darüberhinaus lässt das Beobachten einer regelrechten Ki-Explosion, wie man sie während einer Kommunikation zwischen geschulten Übenden erleben kann, den analytischen Verstand massiv an seine Grenzen gelangen: Hier wirkt etwas Unsichtbares, Unfassbares – und doch wirkt es (mitunter gewaltig!). Um Ki in seiner Größe nur annähernd begegnen zu wollen, muss man es erfahren.

Taiki
Zauberei, Einbildung oder Ki-Kunst?
Nishino bei seiner Lieblingsübung
, dem Taiki (auf deutsch: Energiekommunikation)

Wie fühlt sich Ki an, was macht es mit einem?

Ob Ki gleich Ki ist, oder ob es nicht auch hier einen enormen Variantenreichtum gibt, ist nicht abschließend geklärt – man vermutet eher Letzteres. Jedenfalls reichen die Berichte nach einer Ki-Kommunikation (Taiki, siehe auch: Praxis) von Kribbeln auf der Haut, Vibrieren einzelner Körperpartien bis zu Lachanfällen und unermesslichen und langanhaltenden Glücksgefühlen.

Ki wird oft auch als „Strom“ oder „Wind“ empfunden. Oder als angenehme, schöne und große, jedoch sehr feine „Schwingung“. Seine Haupteigenschaft – wenn es sich bei einer Ki-Kommunikation manifestiert – scheint es zu sein andere Menschen zu erreichen, miteinzuschließen, positiv anzustecken.

Schließlich berichten viele Praktizierende auch von einem hellen, freudigen und sehr ausgeglichenen Gefühl im Körper und einen geklärten Geist, wenn sie sich für Ki öffnen. Neben den zahlreichen gesundheitlichen Aspekten, führe die Beschäftigung mit Ki vor allem zu einem besseren Verständnis des eigenen Körpers in seiner Ganzheit. Mehr dazu gibt es hier zu lesen.

Ob das Mysterium Ki vom Menschen vollends zu lüften ist, bleibt eine offene Frage. Erfahrene Meister und Ki-Experten sagen, sie haben, je weiter sie darin forschen und fortschreiten, den Eindruck gerade erst laufen zu lernen. Allerdings mit dem wunderschönen Zusatz, dass sie aus dem Staunen gar nicht mehr herauskommen.

*Auswahl von bisher erschienen Studien:

  • The Nishino Breathing Method and Ki-energy (Life-energy): A Challenge to Traditional Scientific Thinking (2006)
  • Beneficial Effects of the Nishino Breathing Method on Immune Activity and Stress Level
  • Spinal fMRI of Interoceptive Attention/Awareness in Experts and Novices