Warum Ki-Arbeit?

Die Körperwahrnehmung ist in unserem Kulturkreis wohl eine der unterbelichtetsten Fähigkeiten. Sie ist der schlafende Riese des modernen Menschen und in Verbindung mit effektiver Ki-Arbeit der Schlüssel zu einem ganzheitlichen und natürlichen Selbstverständnis.

Die das Gros der Menschen dominierende Kopflastigkeit in Erziehung, Bildung und Arbeitswelt wird im heutigen digitalen Zeitalter noch zusätzlich um eine nahezu vollständige Absorption in virtuelle Medien ergänzt. Diese einseitige Lebensführung wird, wenn überhaupt, höchstens durch „sinnliche“ Ablenkungen oder durch sehr grobkörperliche Ertüchtigungen ausgeglichen. Ein kleinerer Teil der Gesellschaft hat mit etwas Glück zwar Zugang zu feingeistigeren Ebenen, beschäftigt sich mit Kunst, Philosophie oder Spiritualität usw., doch für die meisten Menschen bleiben kraftvolle Einheitserfahrungen oder überwältigende Liebesbekundungen an das Leben fahle Kalendersprüche.

Effektive Ki-Arbeit stimuliert die Strukturen im Körper, die zuständig für ein integrales und ganzheitliches Selbstverständnis sind. Mentales, Emotionales, Grob- und Feinkörperliches stellen sich nicht mehr als getrennte Ebenen dar, sondern wachsen zusammen. Diese Verbindungen erwecken komplett neue Ressourcen, welche mit mentaler Konzentration oder Sport nicht zu erreichen sind.

Ein Beispiel für feine anatomische Strukturen, die von effektiver Ki-Arbeit stimuliert und genutzt werden, sind die Faszien.

Die Faszien sind ein den ganzen Körper durchziehendes Netzwerk, welches jedes Organ, jeden Muskel, jeden Knochen, jeden Nerv und jedes Gefäß umhüllt und schützt. Dieses Netzwerk ist ein Multitalent, besser gesagt ein Allroundgenie – es gibt fast nichts, was es nicht kann.

  • biolektrische Signale mit Schallgeschwindigkeit übermitteln
  • Bausubstanzen von A nach B bringen
  • alle 100 Billionen Körperzellen miteinander verbinden

Manche Forscher sprechen bei den Faszien vom größten Sinnesorgan des Menschen.

„Der Mensch ist das Maß aller Dinge“

Protagoras

In den Zeiten des technischen und technologischen Fortschritts scheint dieser Spruch wie eine lang überholte Wegmarke auf der Evolutionsstrecke des modernen Menschen. Mittlerweile gilt doch: Maschinen sind Menschen in fast allem überlegen, weil sie schneller und effektiver sind. Der Mensch verliert seine Besonderheit, sein schöpferisches Alleinstellungsmerkmal. Doch das liegt nicht daran, dass die geistigen oder körperlichen Leistungsgrenzen des Menschen schon längst erreicht sind und von dieser Spezies nicht mehr allzu viel erwartet werden kann. Es liegt zum Einen daran, dass der Mensch hauptsächlich an seiner Leistung im quantitativen Sinne gemessen wird. Und es liegt vor allem daran, dass ein kompletter Anteil des Menschen gar nicht in die Rechnung miteinbezogen wird, weil er unentdeckt bleibt. Diesen Anteil, den „schlafenden Riesen“ langsam und sanft zu wecken, ist die Aufgabe und der Beitrag den eine gute Ki-Arbeit leisten kann.