Warum Ki-Arbeit?

Die Körperwahrnehmung ist in westlichen Kulturkreisen wohl eine der unterbelichtetsten Fähigkeiten. Sie ist so etwas wie der schlafende Riese im Bewusstsein des modernen Menschen. In Verbindung mit effektiver Ki-Arbeit liefert sie erstaunliche Einsichten in die eigene energetische Beschaffenheit und ist ein Schlüssel zu einem ganzheitlichen und natürlichen Selbstverständnis.

Die das Gros der Menschen dominierende Kopflastigkeit in Erziehung, Bildung und Arbeitswelt wird im heutigen digitalen Zeitalter noch zusätzlich um eine massive Absorption ins sogenannte „Virtuelle“ ergänzt. Eine derartige, äußerst einseitige Lebensführung wird, überspitzt gesagt, nur noch durch sinnliche Ablenkungen oder – im anderen Extrem – durch sehr grobkörperliche Ertüchtigungen ausgeglichen. Ein kleinerer Teil der Gesellschaft hat zwar Zugang zu differenzierteren Tätigkeiten, beschäftigt sich mit Körperarbeit, Tanz, bildender Kunst, Musik, Philosophie oder Spiritualität. Doch für die meisten Menschen bleiben Erfahrungen tiefer und echter, gelebter Einheit und Verbundenheit vage Erinnerungen an die eigene Kindheit.

Effektive Ki-Arbeit stimuliert die Strukturen im Körper, die zuständig für ein integrales und ganzheitliches Selbstverständnis sind. Mentales, Emotionales, Grob- und Feinkörperliches stellen sich nicht mehr als getrennte Ebenen dar, sondern wachsen zusammen. Diese spürbare Verbindung von vorher Getrenntem erweckt im Übenden Ressourcen, welche mit mentaler Konzentration oder sportlicher Ertüchtigung nicht zu erreichen sind.

Ein Beispiel für feine anatomische Strukturen, die von effektiver Ki-Arbeit stimuliert und genutzt werden, sind die Faszien.

Die Faszien sind ein den ganzen Körper durchziehendes Netzwerk, welches jedes Organ, jeden Muskel, jeden Knochen, jeden Nerv und jedes Gefäß umhüllt und schützt. Dieses Netzwerk ist ein Multitalent, besser gesagt ein Allroundgenie – es gibt fast nichts, was es nicht kann.

  • biolektrische Signale von Zelle zu Zelle mit Schallgeschwindigkeit(!) übermitteln
  • Bausubstanzen transportieren, z.B. Osteoplasten für den Knochenbau
  • alle 100 Billionen Körperzellen miteinander verbinden

Manche Forscher sprechen bei den Faszien vom größten Sinnesorgan des Menschen. Gerade durch die regelmäßige Ki-Stimulation dieses Netzwerks, steigt die Fähigkeit den Körper in seiner Ganzheit wahrzunehmen, was zu einem völlig anderen Selbstverständnis führt, als das Selbstbild, das uns lediglich als Zusammenschluss verschiedener anatomischer Bausteine beschreibt. Von diesem allmählich einkehrenden Aha-Effekt der Verbundenheit ausgehend, erschließen sich in der Praxis mehr und mehr feinstoffliche Anteile unserer selbst, die alle letztlich nur ein Ganzes in und um uns herum bilden.

„Der Mensch ist das Maß aller Dinge“

Protagoras

In den Zeiten von Big Data, Künstlicher Intelligenz und dem Internet of Things könnte dieser Spruch wie eine lang überholte Wegmarke auf der Evolutionsstrecke des modernen Menschen erscheinen. Doch das liegt nicht daran, dass die geistigen oder körperlichen Leistungsgrenzen des Menschen schon längst erreicht wären und von unserer Spezies nicht mehr allzu viel erwartet werden könne. Es liegt zum Einen daran, dass der Wert und das Können des Menschen immer noch hauptsächlich im quantitativen Sinne gemessen werden. Und es liegt daran, dass ein kompletter Anteil des Menschen nicht in die Rechnung miteinbezogen wird, weil er unentdeckt, ungeöffnet bleibt. Diesen Anteil, den „schlafenden Riesen“ aufzuwecken und jedem zugänglich zu machen ist die Aufgabe guter Ki-Arbeit und, nicht zuletzt, ihr wegweisender Beitrag für eine intelligentere Zukunft des Menschen auf diesem Planeten.